„Wir stehen alle am Scheideweg.“

Im Handelsblatt vom Wochenende des 28. Februar 2016 ist ein hochinteressanter Artikel über das neue Buch des ehemaligen Pimco Gesellschafters, Mohamed El-Erian, – „The only Game in Town“ erschienen. Der frühere Co-Chef dieser Investment-Gesellschaft warnt in seinem Buch deutlich vor der Vorstellung, man könnte einfach so weiter machen, wie bisher. Seiner Meinung nach steht die Welt an einem Scheideweg. Er meint damit, – Auf- oder Abschwung. Seine makro-ökonomische Betrachtung definiert die größten Probleme und analysiert sie im Detail, – zu wenig Wachstum, zu hohe Arbeitslosigkeit, zu große Ungleichheit, schwindendes Vertrauen in politische Systeme, schlecht funktionierende nationale Politik, hohe internationale Spannungen, das Abwandern finanzieller Risiken in die Schattenbanken, die schwache Liquidität der Finanzmärkte, die Vorlieben der Investoren für Finanzanlagen, statt für Sachanlagen etc. 

Wir ergänzen diese Aufzählung um die eher national relevanten Themen:
Stagnierendes Wachstum, Ertragssteigerungen fast ausschließlich durch Kosteneffizienz, Outsourcing und ähnliche, Kennziffern-getriebene Unternehmensführungs-Konzepte,
Stagnation, Frustration, subjektiv und objektiv empfundener unfairer Wettbewerb durch manipulierte Entscheidungsprozesse, – so ausführlich analysiert er das psychologische Problem, das sich Menschen häufig dann einhandeln, wenn sie einen mittleren Weg suchen, auch, wenn es den gar nicht gibt, sondern eine klare Richtungsentscheidung gefordert ist.
So weit das Handelsblatt. So weit, so gut.

Auch wir in Deutschland leben in einem Spannungsfeld, das sich in den Diskussionen zwischen Investment und Desinvestment, zwischen Kostenreduktion und Inovationsförderung, zwischen Experimentieren und Beharren aufhält. Es wird das Auflösen der Elfenbeintürme und Info-Silos eingeklagt. So der Kollege von „Lucie und die gelbe Gefahr“, Christoph Bornschein.
So ganz langsam begreifen wir, dass die Lage um Europa herum nicht nur ein fürchterliches Resultat der Kriegszustände im vorderen Orient ist, sondern dass die Multiplikation der Effekte auch einer Destabilisierungs-Politik folgt, die von unseren östlichen, hegemonialen, beanspruchenden Nachbarn eingeleitet worden ist. Wir begreifen so langsam, dass wir von der „Wolke 7“ des Wohlgefühls und „dass sich schon nichts verändern wird“, herabgezogen werden in die raue Wirklichkeit, dass eben nichts unendlich so bleibt, wie es einmal war. Das gilt für die guten Zustände genau so, wie für die weniger guten.
Es werden auf einmal Dinge sichtbar, die wir vielleicht in den letzten Jahren verdrängt haben, und die uns jetzt immer klarer vor Augen geführt werden.

Was hat das mit Design zu tun?
 So wie alle Problemlösungen, so entsteht Design auch im Kopf des Betrachters. Es kommt auf die Perspektive an. Für einen Designer ist die Identität eines Staates, eines Unternehmens, einer Marke weit mehr, als eine fixierte Instanz, die man mit Hilfe einer Check-Liste abhaken könnte.
Was auch immer ein Unternehmen will, es muss es dem Markt, den Menschen mitteilen und zwar anders, als noch vor all zu langer Zeit.
 Nicht das Nützliche steht im Vordergrund, sondern was es für die Menschen bedeutet, die die Produkte des Unternehmens kaufen sollen, die die Dienstleistung in Anspruch nehmen oder die schlichtweg einfach nur das Unternehmen so wertschätzen, dass sie ihm glauben, was es über seine Produkte sagen möchte.
Hier kommt es zunehmend auf die Überzeugungskraft an, die ein Unternehmen artikuliert, indem es über das „Wie“ des eigenen Tuns intensiver nachdenkt.
Es sind die tiefen Wurzeln des Tuns eines Unternehmens, was dazu führt, dass Produkte, Packungen, Unternehmensbilder, Produktentwicklungen Formen annehmen, die für die Menschen in der heutigen Zeit der Neuorientierung sofort interessant sind.
So wie die Firma Robbe & Berking, die vor einigen Jahren die Wurzeln ihres Tuns mit der Handwerkskunst des Individuellen begründet hat. Ihre Silberbestecke, ihre silbernen Haushaltsartikel geben einem das Gefühl, das jedes einzelne Stück nur für mich, den Käufer, den Nutzer gemacht ist.
Interessanterweise ist die Tischkultur im Rahmen der allgemeinen Sozialisierung von Werten dem Durchschnittsgeschmack zum Opfer gefallen. So sah sich Robbe & Berking gezwungen, neue Felder der Attraktivität für sein Unternehmen zu entdecken.
Sie begannen, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, „was bedeutet Handwerkskunst in anderen Sektoren“. Kurzum, sie bauten und eröffneten eine Fabrik für hochwertige Segel- und Motor-Yachten, die Nachbauten in höchster handwerklicher Qualität herstellte, von Produkten, von Schiffen, die in den 20er, 30er, 40er und 50er Jahren die Ikonen des Wassersports waren.
Das Unternehmen floriert. Es kann sich vor Aufträgen nicht retten. Das Unternehmen Robbe & Berking hat sich für einen konsequenten Weg entschieden und nicht für einen mittleren, einen „irgendwie“ Weg. Robbe & Berking hätte durchaus auch entscheiden können, von der handwerklichen Qualität abzurücken, preiswertere Produkte anzubieten.
Robbe & Berking hat das Gegenteil getan, es hat den Urgedanken des Individuellen auf die Spitze getrieben. Das Unternehmen hat sich bekannt. Dieses Unternehmen hat den Scheideweg für sich entschieden, nämlich in eine Richtung – craftsmanship.
 Herzlichen Glückwunsch an die Unternehmer und alle, die bei der Umsetzung dieser Entscheidung geholfen haben.

Design und Designer können in einem solchen Entscheidungsprozess sehr hilfreich sein. Sie führen durch ihre Art zu denken unmittelbar zur Logik eines gegebenen Unternehmensproblems. Design Thinking ist somit die Brücke zum besseren Verstehen, wie man die Zukunft gestaltet.
Design ist weit mehr, als das intelligente Bespiele unterschiedlicher Medien und Instrumente.

Insofern stehen auch Design-Agenturen am Scheideweg. Das Beharren auf ihren funktionalen Kernkompetenzen führt mit Sicherheit zu einer kompletten Erosion dieses wunderbaren Berufsbildes. Die globale Vernetzung erlaubt jedem Kunden, überall auf der Welt, sich für einen sehr geringen finanziellen Einsatz irgendwelche Lösungen machen zu lassen. Die Lösungen werden genau so unverbindlich sein, wie sie global entstanden sind. Insofern ist die Antwort auf unserem Scheideweg klar –
wir bekennen uns zu handwerklich gut gedachten, das Problem durchdrungenen Analyse-Prozessen, mit einem, alle Beteiligten involvierenden Entwicklungs- und Gestaltungsverlauf.
Wir sind dabei nicht alleine. Audi, eine der erfolgreichsten Automarken der Welt, bläst zum Aufbruch. Es wird alles auf den Prüfstand gestellt. Rupert Stadler sagt, „wir sind heute zu langsam und zu traditionell“, und das bei einem Unternehmen, das seit Jahren eine unglaubliche Erfolgsgeschichte schreibt. Die innere Unruhe eines Unternehmens muss in eine gestalterische Kraft umgemünzt werden.
Als Gegenbeispiel lesen wir einen Tag später, dass die gestaltende Kraft bei der Modemarke Boss offensichtlich doch nur börsenorientierte Strategie war und nicht substanzielle Markenpflege.
Wir sollten über diese beiden zeitgleich auftretenden Phänomene sehr ehrlich nachdenken, und jeder sollte für sich die Antwort finden, die anders lauten muss als „weiter so, wie bisher“. 
Eben nicht.

Peter Maeschig

Düsseldorf, 2. März 2016

„Der Deutschland-Blues“

„How to win a match, nobody wants yet to play.“

Der GWA streitet darum, ob der „Effie“ in Zukunft für Effizienz oder Effektivität stehen soll.

Der OMD setzt sich mit der Frage nach Hybris, Hype oder Realität einer multi-channel Kommunikation auseinander. Und man hört den Hilferuf, Mediafachleute und Kreative – „tut Euch zusammen.“

Endlich – ist man geneigt zu seufzen und hofft darauf, dass die ausschließlich technokratische Betrachtung von GRP’s und vergleichbaren Mediadaten ergänzt wird durch das eigentlich Wichtige –
das Bekenntnis zur wirksamen Idee.

1. Die Beobachtung – kurz und bündig – der Versuch einer Einordnung im Ganzen.

Ob man will oder nicht, man liest es in jeder Sonntagszeitung, man hört es in vielen Kommentaren, und man studiert Untersuchungen – die übergeordnete mentale Stagnation in unserem Land.
Es wächst die Erkenntnis – Deutschland droht zu einer alternden, innovationsfeindlichen Gesellschaft zu werden, die langsam vor sich hindämmert – und wenig zustande bringt.
Andere Stimmen sagen, Deutschland ist überheblich, blind und träge und driftet in eine Situation hinein, die Japan vor 15 Jahren ähnelt – die Selbstgefälligkeit einer gesättigten Gesellschaft, mit einer ideologiefreien, pragmatischen „Merkel-Attitüde“.

Ein anderer Betrachtungswinkel – die ökonomische Kultur akzeptiert keine Abweichungen von der Norm mehr, und somit ist die Gleichmacherei von Allem das Gesetz des Tages. Die Konsequenz, wenn alles gleich ist, entscheidet der Preis. Nur so sind die mannigfaltigen Preiskämpfe im Handel und in der Industrie zu erklären und deren relativer und kurzfristiger Erfolg. Denn am „Billig“-Prinzip des Denkens wird jeder am Ende scheitern – Schlecker hat es vorgemacht.

Gibt es eine mentale Krise der Gesellschaft, die so oder ähnlich beschrieben werden könnte?

Welche Auswirkungen hätte eine solche auf Design, Markenmachen und Unternehmensplanung?
Unabhängig davon, gibt es eine ganz andere Wahrheit, nämlich dass die Unzufriedenheit ein wirklich deutsches Phänomen ist. Die Deutschen haben mehr Jahre hinter sich, als noch vor sich und werden „nölig“ – der „Methusalem Komplott“ von Frank Schirrmacher war ein erstes,
öffentlich wahrgenommenes publizistisches Wetterleuchten.

Es geht im täglichen Kampf um marktwirksame Ideen, um etwas ganz anderes, viel Fundamentaleres, es geht um die wirkliche Wirksamkeit in einer immer weniger darstellbaren „Welt“.

Die „German Angst“ – ein Merkmal des Verhaltens –, wird im Ausland durchaus richtig erkannt. Richtige Existenzthemen kennt keiner mehr. „IT“ und „Industrie 4.0“ sind suspekt empfindsame Zukunftsthemen, nimmt man den aktuellen Diskurs ernst. Dass es deutschen Ingenieuren gelungen ist, einen Forschungssateliten auf einem weit entfernt fliegenden Kometen landen zu lassen, wird teilnahmslos zur Kenntnis genommen.

Ergänzend dazu prasseln auf den Markenmacher die unterschiedlichsten Erkenntnisse aus der Zielgruppenforschung ein.
Wir reden von der „schlauen Generation Y“, die alles hinterfragt, kritisch ist, aus der Sicht der
Alten zu faul, aus Sicht der Jungen zu wenig pragmatisch.
Es gibt die Theorie von der „Kuschelgeneration“, mit einer stark ausgeprägten Sehnsucht nach Geborgenheit.
Es  gibt die „nerds“ und die „online victims“. Es gibt die creativen Lebensoptimierer, die aus jeder Situation für sich und ihre „nahe Stehenden“, kühl kalkulierend und egoistisch, das Beste für sich selbst machen wollen.

Es gibt die „work-life-balance“-Philosophen. Die haben nur eine Idee im Kopf – worauf haben wir eigentlich noch Lust, kombiniert mit dem Wahren eines effizienten Lebens, das durchgetaktet jede Minute zu einer Art Performance-Show werden lässt.

Und auf der anderen Seite die Sehnsucht nach einem Boom, der am besten ganz von alleine, von irgendwo her und ganz plötzlich kommt. So dass wir alle gemeinsam in den Reigen der Politiker einstimmen können – „sehen Sie, ist doch noch mal gut gegangen, wir sind ja doch die Besten“. Auch ein Merkmal einer immer öfter zu Tage tretenden Selbstzufriedenheit.

Welche Theorie auch immer, eine Beobachtung steht fest. Es gibt keine Aufbruchstimmung, es gibt keine Lust auf Neues, es gibt keine Neugierde, irgendetwas auszuprobieren. Es gibt Angst vor Neuem, alles schön eingepackt in einer Art von politisch-gesellschaftlicher „correctness“, eine moralin-gesäuerte Rechtfertigung für eine Umverteilungspolitik, von alt auf jung, von reich auf arm usw., in allen Kreuzverbindungen.
All diese Phänomene sind Ausdruck einer kollektiven Unzufriedenheit.

2. Erste Erklärungsversuche.
Das Phänomen zu erklären, um aufgrund eines vernünftigen und praktischen Erklärungsansatzes die richtigen Konzepte für Marken und Unternehmen zu entwickeln, ist schwierig, denn die Lösung lässt sich nur in einem Grenzgebiet zwischen Ökonomie, Politologie und Philosophie finden, sozusagen in einer von allen Seiten beleuchteten, originellen Theorie.
Interessant  ist die von Prof. Hirschmann entwickelte Theorie des „Lobes der Aufmüpfigkeit“, bzw. „welche Chancen haben Unzufriedene“ zur Lösung einer Situation, die ihnen nicht genehm ist.
Unzufriedene haben immer zwei Möglichkeiten – „protestieren“ oder „abhauen“.
In der Literatur steht  „protestieren“ für „voice“ und „exit“ für „abhauen“.
Die gängigen Theorien zur Entwicklung wirksamer Markenkonzepte stellen sich im Augenblick auf den Standpunkt, es gäbe eigentlich nur zwei Arten von Problemen. Solche die unlösbar seien und solche, die sich von selbst lösen.
Genau damit wollte sich Prof. Hirschmann nie abfinden.

Im Grunde genommen ist die Situation in der Marketinglandschaft Deutschlands, in der Kommunikationslandschaft und damit in der Marken- und Dienstleistungslandschaft auch gekennzeichnet durch die Ansprache an latent und immer größer werdende, offensichtlich Unzufriedene. Folgt man der Theorie von Herrn Hirschmann, so heißt der geistige „exit“, also das bewusste Abhauen der Zielgruppen, sich verabschieden aus den Regeln der 80iger und 90iger Jahre, innerer Protest, billig kaufen, alles haben wollen, keine Leistung.
Dies ist eine Form der „mentalen Verabschiedung“ von dem, was man bislang als vernünftig und nach vorne weisend betrachtet hat.

Die andere mögliche Theorie „voice“, nämlich protestieren, drückt sich aus, mal keck und forsch interpretiert, in den Tausenden von You Tube- und Facebook-Meldungen, in denen Nutzer zu allem und nichts Kommentare abgeben und das, was sie für sich selbst nicht richtig finden, kommentieren, persiflieren und karikieren.
Der Protest hat sich in beißender, persönlicher „Lustigmach Attitüde“ niedergeschlagen.

Auch diese Gedanken helfen eigentlich nicht weiter, denn wie will man Unzufriedene, die laut Prof. Hirschmann entweder abhauen oder protestieren, zu einem Lust machenden, neuen, inspirierenden Marsch in die Zukunft animieren?

Wie in dieses Manuskript geschrieben, lese ich die FAZ vom 19.1.2014 und zitiere
Dieter Hillebrandt mit seinem Lied gegen die Kultur der Gleichgültigkeit, Desinteresse und
irrelevanter Protesthaltung.

„Wo ich geh‘, wo ich steh‘, was ich höre, was ich seh‘,
rappen Deppen diesen Schmäh,
den ich meistens nicht versteh‘!
Unten siehste Teenies hocken,
noch nicht hinter den Ohren trocken,
die dich schrecken, die dich mit dicken Lippen locken,
aufgespritzt und aufgeblasen,
zugepierct die Babynasen,
und am Bauch sieht es schwabbelig raus,
Baby, du siehst Scheiße aus.“

Einen schönen Gruß an die Toleranz-Firlefanz-Gesellschaft.

3. Ein Prozess der Veränderung dauert so lange, wie er dauern muss.
Dieser Zustand, den wir skizzenhaft so beschrieben haben, ist das Resultat von mindestens 25 bis 30 Jahren soziokultureller Veränderung – also seit ca. 1980 –, als es uns zunächst immer besser ging, wir dann das Bessere optimiert haben, um dann die ersten Schrecken der neuen Internet-Welt gut verdaut zu haben und gleichzeitig gemerkt haben, dass auch die Finanzkrise uns noch nicht im täglichen Leben erwischt hat.

Wir spüren nur alle irgendwie, es kommt etwas auf uns zu, was man auch den „Nebel des Grauens“ der Lähmung nennen könnte. Es ist keine Kraft zu beobachten, die sich aufgerufen fühlt, die sich eingeschlichene Lethargie zu lösen und in konstruktive Bahnen zu bringen.
Können Unternehmen, können Marken und kann Kommunikation das überhaupt leisten, und könnte eine positive Antwort derzeit „Wirkung“ heißen?
Eines steht fest, so lange, wie es gedauert hat, bis wir diesen Zustand erreicht haben,  so lange dauert es möglicherweise noch, jedenfalls einige Jahre, bis wir es – in welchem Sinne auch immer – korrigiert haben.

 

3.1. Wachstum – ein pauschal  benutzter, ungeliebter Begriff.
Der Kerngedanke bei unseren Unzufriedenen ist, dass sich ein Gedankengut breit gemacht hat, dass Wachstum schädlich ist. Diese Pauschalisierung ist eine der Kernursachen einer mentalen Verformung. Nicht Wachstum als Prinzip ist schädlich, sondern nur ungesundes, übergroßes, unnatürliches, nicht strukturiertes Wachstum ist schädlich. Davon haben wir allerdings in den letzten Jahren eine ganze Menge erlebt. Wer nicht mehr an ein vernünftiges Wachstum glaubt, weil er infiziert ist von einem Bazillus, dass Wachstum generell nicht gut ist, der sieht auch keinen Sinn darin, Leistung zu  generieren. Es findet auf der einen  Seite also eine Desillusionierung statt, dass Wachstum etwas Positives sein kann, andererseits kennt man aber auch noch nicht die Alternativen, und in allen Zielgruppenforschungen entsteht ein latentes Gefühl der Verunsicherung.

Dann entsteht nur noch komparative, erlebnisarme Werbung.
Wirkung ist immer noch die Kombination aus einer Geschichte – gut erzählt – mit einem spannenden Ausgang.

3.2. Wie inspiriert man eine Gesellschaft oder/und Zielgruppen?
Es gibt das offenbar immer aktueller werdende „Neuromarketing“. Die Theorie von der Balance zwischen positiven und negativen Gefühlen. Dieses Gleichgewicht oder besser gesagt, die gegenseitige Bepolung sei entscheidend, um im Hirn Anreize auszulösen, in unserem Fall die Bereitschaft, Lust für etwas zu entwickeln.
Dahinter steht das allen Kommunikationsfachleuten bekannte Prinzip der kognitiven Dissonanz, also des Spannungsaufbaus durch nicht komplett kompatible Signale. Für das erfolgreiche Funktionieren dieses Prinzips gibt es ungeheuer viele Beispiele, die etwas bewegt haben.

Das Problem bei der Entstehung solcher Signalsysteme ist, dass sie eigentlich nur
„autoritär“ oder „top down“ entschieden werden können. Denn jeder Mensch hat seine eigene Kontradiktionen im Kopf. So wird es in einem gleichberechtigten oder nach Harmonie lechzendem Gremium nie zu einer Einigung kommen.
Oder am Durchschnitt orientierte Benchmark-Research-Programme werden nur Bekanntes produzieren, was aber keinen Anreiz auslöst, Neues zu denken.
Wenn also die politisch-gesellschaftliche Elite und Führung im großen Konsens immer wieder dasselbe sagt, entsteht ein spannungsfreier Raum, der niemandem Anreiz gibt. Dieser Langweil-Effekt durchsetzt alle Schichten, bis er zum Verhaltensmerkmal einer Gesellschaft geworden ist. Hin und wieder ist man geneigt, diesen Effekt als politische Absicht zu erkennen –„Honi soit, qui mal y pense“.

In dieser großkonzerngeprägten Grundbequemlichkeit manövrieren Marken und Unternehmen. Und unterhalten sich lieber über scheinbar Objektives – die Effizienz, die Effektivität oder den 100%igen mathematischen Nachweis von
Medialeistung.

Es geht aber um den relevanten Spannungsaufbau von Informationen, der nur ein Ziel verfolgt, die „Ströme im Hirn“ zur Bewegung zu motivieren, wenn man Wirkung sehen will.
Es geht dabei nur um das „Wie“ in allen Bereichen. Die Botschaft als solche hängt vom politischen Willen ab, von den wirtschaftlichen Zielen oder von gesellschaftlichen Notwendigkeiten.
Politischer Stillstand heißt in der Konsequenz gesellschaftlicher Stillstand.
Langweilige Markenpflege heißt in der Konsequenz Rückgang der Attraktivität und Begehrlichkeit, egal wieviel gross rating  points erreicht worden sind.

Was bedeutet dieser Zusammenhang für ganzheitliche Unternehmens-(Marketing-)
Führung?
– Der geplante und gewollte Spannungsbogen im Unternehmen.
– Die inspirierende Motivation im Unternehmen.
– Die intelligent geplante Dominanzstrategie im Unternehmen.
– Das Gefühl für die „Psychologie“ der Märkte.

• Der geplante und  gewollte Spannungsbogen im Unternehmen umfasst die gezielt geförderte Kontroverse. Nicht der Kontroverse wegen, sondern der zielgerichteten Auseinandersetzung des griechischen Prinzips „These – Antithese – Synthese“.
Es geht nicht um das Prinzip des Rechthabens und der ausgelebten Machtkämpfe, es geht um die Vermeidung der Orientierung am Durchschnitt.

Nur ein kontroverser, sachlich geführter Diskurs, vermeidet die Sozialisierung von Lösungen. Und am Ende muss immer einer entscheiden, am besten der, der die Rechung später bezahlen muss.
Es hat sich eine Unsitte eingebürgert, dass diejenigen, die für den unternehmerischen Erfolg nicht selber und unmittelbar haften, meinen, den größten Einfluss auf die Entscheidung haben zu müssen. Hier entsteht entweder hirnlose Risikobereitschaft oder übervorsichtiges Defensivverhalten.

• Die inspirierende Motivation im Unternehmen ist eines der schwierigsten Themen überhaupt. Zwischen dem geplanten Kabarett und den Jux-Veranstaltungen ähnlichen Trainingsseminaren, ist die Motivation eine tägliche Herausforderung. Es geht um die Motivation der Mitarbeiter an jedem einzelnen Projekt, an der Lust machenden Animierung, einen Schritt weiter zu denken und an dem dicken, breiten Gefühl, das man den Mitarbeitern mitgeben muss, auch durchaus mal einen Fehler machen zu dürfen.
Motivation hat nichts mit „spielen“ zu tun und mit Psychotricks, sondern einfach, mit dem lebendigen Vormachen des Unternehmers oder Vorgesetzten.

• Die intelligent geplante Dominanz-Strategie im Unternehmen ist ein leider vergessenes Prinzip der Unternehmensführung. Nur wer gewinnen will, hat auch die Chance, zu gewinnen.
Wer von vornherein nicht dominant sein will, wird auch Märkte nicht beeinflussen können. Dominanzstreben heißt, Kräfte entwickeln. Kräfte, die in der Lage sind, Bestehendes zum Positiven zu verändern.

Dominanzstreben hat wiederum nichts mit Macht zu tun, sondern einfach dem Willen zur Veränderung. Es ist die kritische Sensibilität der Unternehmer, diese Kräfte in eine positive Bahn zu lenken, und sie nicht in negativen Destruktivismus abgleiten zu lassen.

Das Gefühl für die Psychologie der Märkte wird immer dann zitiert, wenn man über die nicht stattgefundenen Erfolge redet. Dann war immer die Psyche des Marktes schuld. Warum hat man über die Psyche des Marktes nicht vorher nachgedacht?
Die Psyche des Marktes hat nichts mit tiefenpsychologischem „Couch legen“ zu tun, sondern mit dem gesunden Menschenverstand, wie Menschengruppen auf Angebote reagieren. Dazu gehört auch Erfahrung. Dazu gehört das Wissen, was grundsätzlich funktioniert und was nicht und eine nüchterne Sicht auf die jeweiligen Marktumstände.

Die fundamentalen Faktoren eines Marktes geben oft mehr Auskunft über das richtige Verhalten eines Unternehmens und seiner Marke, als das filigrane Filetieren.

Also – wir Kreative, Designer und Kommunikationsexperten, lösen wir uns von der Diskussion, welches Medium die Menschen am effektivsten oder effizientesten erreicht.
Kümmern wir uns um das, wofür wir bezahlt werden wollen, die Beeinflussung von Umsatz und Wertsteigerung der Unternehmen, die wir betreuen, durch relevante, business-orientierte, ganzheitliche, faszinierende und verblüffende Inszenierungen.
Seien wir standhaft im Kampf der Sozialisierungsprozesse im Denken. Der übersteigerte Pragmatismus macht fantasielos.
Ich zitiere zum ersten Mal Media Markt. „Wer will, der kriegt.“ und ändere in „Wer Wirkung will, der kriegt sie auch.“

Peter Maeschig

Die schrecklichen Auswirkungen, wenn die „Nash Balance“ nicht mehr gewahrt bleibt oder „die deutsche Gesellschaft ist es selber schuld“.

Die Deformierung des Denkens im Allgemeinen und die agonisch vor sich hin mäandernde Entscheidungskultur in Deutschland wird verstärkt durch eine zunehmend hybride Interpretation der Einflüsse, die die neuen Medien auf unser Leben haben. Die Flucht in die neuen Medien und deren Nutzung, um Partikularinteressen durchzusetzen, nimmt in der allgemeinen und in der professionellen Diskussion hysterische Züge an. Es scheint so zu sein, als ob nichts mehr ohne die wie auch immer intelligent interpretierte Nutzung neuer Medien geht. Unabhängig davon, dass sich damit Zielgruppen in eine immer größere Abhängigkeit begeben, die Datentransfers von Google und Company sind inzwischen bekannt, ist auch ein Effekt zu beobachten, dass die Wertenivellierung in unserer Gesellschaft multipliziert wird.
G. Steingarts bemerkenswerter Ansatz „wir sind es selber schuld, wenn der immer komplexere Einfluss der neuen Medien auf unser Leben unkontrollierbar wird“, und er sagt mit Recht, „wir können dieses Problem auch nur selber lösen, und zwar in unseren Köpfen“.

Das Grundprinzip der Veränderung ist aber eigentlich ganz einfach –
John Nashs Gleichgewichtstheorie sagt, dass in der Überbetonung und Fokussierung auf die Nutzung der neuen Medien seine Gleichgewichtstheorie und ihre Störanfälligkeit bewiesen ist. Weil sich alle auf das Gleiche stürzen, weil alle glauben, sie sehen die Zeichen des Fortschritts und der sozialkommunikativen Emanzipation durch die Gleichschaltung der Information und auf die Gleichzeitigkeit von Informationspräsenz, gewinnt am Ende dieses Prozesses keiner. Wenn sich alle auf dasselbe konzentrieren und stürzen, gibt es keine wahrhafte Alternative mehr.



 Alle vergessen dabei, dass ein Gleichgewicht immer wieder neu erfunden werden muss und immer wieder neu erreicht werden muss. Ausschläge in die eine oder andere Richtung müssen zeitgerecht gegengesteuert werden durch Kompensationen. Das verlangt von der Gesellschaft eine zunehmende Flexibilität, zu der sie im Augenblick nicht in der Lage ist.
Wir müssen im Augenblick mit den Auswirkungen einer immer mehr überbordenden Sozialisierung aller Zustände, Informationen, Wünsche und Begehrlichkeiten leben. Alle wollen alles sofort, und es darf keine eigene Leistung kosten. Wir leben in einer Gesellschaft der Optimierer. Kein Weg ist zu bequem, als dass er nicht gerne beschritten werden wollte. Von der Politik und von den Autoritäten wird es auch der Gesellschaft bequem gemacht. Wie soll eine Gesellschaft, wenn es um betriebswirtschaftliche Aspekte geht und im engeren Sinne um Markenpflege, dann einen Unterschied machen? Warum soll es Unterschiede in Marken geben, wenn das Große und Ganze keine Unterschiede mehr wertig erscheinen lässt?

Die Diskontisierung des Lebens – „ich will alles haben, sofort und es darf nichts kosten“ – wird multipliziert durch die scheinbar unbegrenzte und kostenlose Verfügbarkeit aller möglichen Informationen. Dies hat einerseits den unschätzbaren Vorteil, dass diejenigen, die etwas sagen wollen, verkaufen wollen, vermarkten wollen, zur unerbittlichen Ehrlichkeit gezwungen werden, andererseits erkauft sich die Gesellschaft damit ein Defizit an Fantasie.
Träume und Fantasien werden nur noch danach bewertet, ob sie kurzfristig einen Vorteil verschaffen und nicht, um ein wie auch immer zu definierendes seelisches Gleichgewicht herbeizuführen.

Die Auswirkungen auf Design und Kommunikation sind furchterregend. Es gibt einen beobachtbaren Trend zu sich selbst nicht mehr ernst nehmenden Kommunikationskonzepten, Klamauk, Witz und vordergründiger Humor bestimmen die Szenerie, alles, was eine „Schenkelklopfer“-Mentalität hervorruft, ist erfolgreich in so genannten „Kommunikations-Wirksamkeitsstudien“. Wahre, qualitative Argumentationen werden entweder nicht geglaubt oder nicht gewollt. Wertestrukturen zerbröseln. Auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene spiegelt sich wider, dass nur derjenige gewählt wird, wenn überhaupt gewählt wird, der mir einen kurzfristigen Vorteil verschafft.
Wenn es aber keine Unterschiede mehr geben soll, lohnen sich dann überhaupt noch Investitionen in Unterschiede? Wie können sich Unternehmen mit ihren Produkten und ihren Dienstleistungen von anderen unterscheiden, wenn es nicht um die Unterscheidbarkeit von Wertekategorien geht? Wenn alles gleich ist, entscheidet immer mehr der Preis. Dies ist die Situation der heutigen Preispolitik und auch der Einflüsse auf die Preispolitik, und es ist unglaublich schwierig, Mehrwert zu generieren und zu verargumentieren.
Dies gilt nicht nur im B-to-B-Bereich, sonder auch zunehmend im B-to-C-Bereich. Mit Ausnahme der ausgesprochenen Luxusprodukte, die es geschafft haben, sich außerhalb jeglicher erreichbarer Wertevorstellungen zu positionieren und daraus den Charakter des Besonderen zu generieren.
Dies ist der Kontext einer beginnenden Konfusion und Irritation in der Branche der Designer, Marketingleute und Kommunikationsexperten. Die kurzfristige Rettung in vermeintlich moderne und zeitgemäße Online-Konzepte entlarvt sich zunehmend auch als nicht mehr erfolgreich. Je normaler ein Vertriebskanal wird, desto eher gelten wieder die Gesetzmäßigkeiten der Differenzierung. Das ist ein Phänomen, dem sich das gesamte New Media Geschäft stellen muss. Vertrauen zu erringen, ist in diesem Kontext und in diesem Zusammenhang extrem schwierig. Und am Ende geht es nur um das Vertrauen, für das eingesetzte Geld auch das zu bekommen, was die Menschen, nicht nur kurzfristig im optimierten Zustand zufrieden stellt, sondern auch langfristig glücklich macht.
Das Glücklichsein, als ein erstrebenswertes gesellschaftliches Phänomen und Zustand, hat seinen Charme verloren oder ist dabei, ihn endgültig vergessen zu lassen.

Peter Maeschig

„Was wirkt ist mehr als nur richtig“

Wirtschaftskongress „Obertauerner Begegnungen 2014“ in Österreich

Vortrag von Peter Maeschig, Vorstand der Design for Business Markengestaltung:

„Was wirkt ist mehr als nur richtig“

Gedanken und Inspirationen zu Marken und Unternehmensführung

Ein pdf des Vortrags kann gerne bei Herrn von Bülow h.buelow@designforbusiness.de bestellt werden.

Die Wertschöpfung der Zukunft gelingt durch Design

Eine Feststellung von Peter Sloterdijk. Das inspirierende Moment, das gute Designer in die Markenführung einbringen können, wird immer wichtiger.
In einer Welt zunehmender Beliebigkeit, deutlich sichtbarer Sozialisierung von Qualitäten und einer veränderten Wahrnehmungskultur durch die so genannten Neuen Medien, gewinnt das „relevante storytelling“ direkt am und durch das Produkt eine werte- und sinnstiftende Bedeutung.
Dieser Aspekt geht weit über die rein formalen Anforderungen an gutes Packaging Design hinaus. „Design thinking“ kann man dieses Thema nennen.
Perfekte Analysen erstellen und die Bearbeitung des „Was“ sind heute Grundwerkzeuge. Es kommt zunehmend auf das „Wie“ an. Denn was nur noch richtig ist, ist nicht mehr erfolgreich. Die Koordination des „inneren Bildes“ eines Produktes, einer Marke, eines Unternehmens zwischen den Vorstellungen der Manager und ihrer Designer und den Zielgruppen, ist einer der Schlüssel von designgetriebener „business advisory”.

Most Advanced Yet Acceptable

Happy Birthday to Raymond Fernand Loewy

(5. November 1893 bis 14. Juli 1986)

„Inspirative Marken- und Unternehmensführung“ oder „Was wirkt ist mehr als nur richtig“.

Eine ganz andere Sichtweise zur Vertrauenskrise im Lebensmittelhandel.

Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, nennt die Entwicklung von „Risikointelligenz“ als das Ziel einer neuen Entscheidungskultur.
Mehr Fakten und mehr an Information und daraus „logisch“ abgeleitete Entscheidungen führen nicht automatisch zu Minimierung von Risiken. Das ist sein Ansatz.

Link Risikointelligenz

Es geht um die Abkehr von der „Null-Risiko-Illusion“. Sie ist in Konzernen weit verbreitet, in denen Heerscharen von Assistenten „tausende“ Powerpoint Präsentationen schreiben und so ein redliches, aber zunehmend neurotisches Streben nach absoluter Gewissheit unterstützen.

Natürlich gibt es eine Art von Investitionsverantwortung, vor allem bei „angestellten“ Entscheidern, die fremdes Kapital einsetzen.

Vorsicht, planerische Scheingenauigkeit und Angst vor Fehlern führen aber irgendwann zu einem Zustand der Agonie. Alles erstarrt in einer relativen Bewegungslosigkeit.
Die oft gewusste und erkannte Wahrheit über den richtigen Weg einer Marke oder eines Unternehmens wird nicht ausgesprochen, weil der Marsch durch die Entscheidungsinstanzen unmöglich erscheint, Widersprüche gelöst werden müssen, unbequem ist.

In den immer schwieriger werdenden Bemühungen um die Differenzierung des kaum Unterscheidbaren sind Kommunikationsmodelle von heute immer systematisierender, systematischer, mechanischer, allgemeiner und somit auch unpersönlicher geworden.

Und die relevante Aufmerksamkeit zu erreichen, in einem, in Echtzeit ablaufenden Wettbewerb, ist nicht einfach.

Es gilt heute umso mehr –
„Es ist keine mechanische Rechnung, die zu den großen Markenschöpfungen führt“.
Es geht nach wie vor um die „Gewinnung des öffentlichen Vertrauens“, die Hans Domizlaff fordert. http://www.hans-domizlaff-archiv.de/index.php?id=28,139,0,0,1,0

Vertrauen, Empathie, am Menschen orientierte Werte, auch in der Markenführung, scheinen Wortbegriffe zu sein, die heute Gefahr laufen, unmodern, also nicht „cool“ zu sein.
Alles muss „hype“, „cool“, „sexy“, „schnell“ und vor allem „fast moving“ sein.

Keiner kann es ändern, dass alle Lebensmittelanbieter meinen, ihre Produkte seien etwas ganz Besonderes. Und oft ist die Produktqualität auch mit hohem „F&E“- Aufwand entwickelt worden.
Aber oft reicht das nicht mehr aus, in Zeiten der Gleichzeitigkeit und mangelnder Exklusivität.
Man muss eine relevante Geschichte erzählen. „Relevant Fantasies“ sind gefragt.
Und zu Zeiten der totalen Informationstransparenz werden überraschende, „relevante stories“ zum „Matchwinner“. Neben der philosophischen Ausgangsfrage taucht zunehmend der wissenschaftliche Fragenansatz auf.

Der allgemeine Wettbewerbsdruck auf den entwickelten Märkten wird größer, natürliche Wachstumsprozesse finden selten statt. Entscheidungskriterien und Zyklen werden im Lebensmittelmarkt komplizierter und kürzer. Intelligent und gut ausgebildete Mitarbeiter finden sich in jeder Firma und jedem Unternehmen. Das berühmte Näschen fürs Geschäft wird immer seltener. Was tun?
Es stehen sich zwei Thesen gegenüber:

1. „Vordergründiges Effizienzdenken und –verhalten steht oft im Widerspruch zur wirklichen Wirksamkeit, und nicht derjenige ist immer der Erfolgreichste, der die meisten Informationen hat, Intuition und Bauchgefühl werden ebenso essentiell.“ (Frank Schirrmacher)

2. Dem gegenüber stehen die Vertreter der hocheffizienten ökonomischen Betrachtung aller Vorgänge, alles muss erklärbar sein, alles muss begründbar sein, alles muss vernünftig sein und im Sinne eines zunehmenden Kapitaldrucks allen Controllingaspekten gerecht werden.

Was ist richtig? Was führt uns weiter? Erfahrungen, Betrachtungen und Nachdenklichkeiten, sowie Inspirationen zum Thema Unternehmen- und Markenkonzepte der Zukunft, denn wer auch immer recht hat, es gilt die Abwandlung des alten Medizinerspruchs „Wer heilt, hat Recht“, für das Geschäftsleben: „Was wirkt im Markt, ist mehr als nur richtig“.

Und wer sich an die Wahrheit hält, gewinnt Vertrauen.
Und wer im Lebensmittelmarkt nicht nur den schnellen Erfolg sucht, braucht auch keine fragwürdigen Beschaffungsmethoden.

Peter Maeschig

Markenerosion im Staate Deutschland

¹Die Gelder für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in Deutschland werden knapp – Instandhaltung von Straßen, Bahnen und Flugplätzen können nicht mehr bezahlt werden.
Bahnhöfe zeigen „Risse“ nach relativ kurzer Zeit der Inbetriebnahme. (HB – Berlin)
Innovative Bahnhofs- und Airport-Projekte werden immer teurer, wenn sie nicht sogar so schlecht geplant werden, dass sie erst gar nicht in Betrieb genommen werden können.
Bildungs- und Infrastruktur werden nicht deutlich weiterentwickelt, gepflegt und sichergestellt, jedenfalls nicht in einem Performance-gerichteten Gedanken.
Die vermeintlich „reiche“ Marke Deutschland erodiert von innen heraus.

Untersuchungen und Langzeitbetrachtungen über Marken des täglichen Gebrauchs beweisen, dass nur solche Produkte und Marken auf Dauer in der Akzeptanz der Verbraucher bleiben, wenn sie sich in ihrer Leistungskraft ständig erneuern.

Die Marke Deutschland, mit ihrer über Jahrzehnte bewunderten, perfekten infrastrukturellen Performance läuft jedoch Gefahr, die innere Erneuerung ihrer Vorteile nicht mehr ernst zu nehmen und die Probleme dadurch lösen zu wollen, dass man ein vermeintlich kurzfristig attraktives neues „Thema“ anschneidet.
Große Marken haben leidvoll erfahren, wie problematisch es sein kann, wenn man Wachstum und Attraktivität fast ausschließlich darüber erreichen will, immer neue Sortimente an die Kernsortimente anzuhängen. Nivea hat jüngst den erfolgreichen Weg zurück geschafft, indem es sich vom irrelevanten „Innovationsballast“ befreit hat.
Die aktuelle Politik beschert der deutschen Bevölkerung ein neues Thema nach dem andren. „Kita“, „Euro-Rettung“, „Frauenquote“, „Energiewende“, „Schulreformen“ – die Liste ist endlos, ein irrelevanter Innovationsballast.²

Diese politischen „Line Extensions“ mögen im Einzelfall noch einen Rest an sachlicher Begründung haben, aber in der Summe schwächen sie den Markenkern Deutschland.
Sie stärken ausschließlich die Absicht politischer Kräfte, der Gesellschaft ein Verhalten aufzustempeln, die aus dem Parteiprogramm entsprungen sind und nicht aus der Fürsorge für 
unseren Staat.
Durch die Vernachlässigung der Wettbewerbs- und Leistungskraft unserer Marke Deutschland schwächen wir systematisch den Glauben an die gute Zukunft.
Laut einer repräsentativen Studie von „rheingold salon“, glauben 80% der Bevölkerung, dass wir auf eine „unheilvolle Zukunft“ zusteuern.
Es geht im politischen Marketing der Parteien nicht mehr um das Wohl des Staates, sondern um das Wohl der jeweiligen Partei. Dabei wird völlig unterschätzt, dass die Gesellschaft durch die Vielfalt, fast nicht mehr bezahlbarer Wohltaten, geschwächt wird.
Wie diejenigen Marken, die durch wildes Aneinanderreihen von Produkten glauben, damit nachhaltiges Wachstum zu erzielen und damit nur ihre eigene Wertezersetzung beschleunigen, so driftet Deutschland in eine schwierige Situation.

Stellen wir uns doch nur mal vor, unsere Wirtschaft „bricht auch ‘mal ein“, weil z.B. die finanziellen Mittel fehlen, Ausbildung, Innovationen, infrastrukturelle Vorhaben zu finanzieren, – glauben wir denn im Ernst, andere Länder würden Deutschland helfen?
Den „Marshall-Plan“ gab’s nur einmal, und er kommt nie wieder.

Deutschland braucht ein neues „Politik-Design“ für die neue Stärkung der Marke Deutschland.
Konzentration auf die eigenen Stärken. Selbstbewusste Behauptung eigener Interessen. Liberale, demokratische Auseinandersetzung und nicht ideologische Programmatik.

Das Tragische ist, dass die Gesellschaft inzwischen vergiftet ist vom süßen Gift der Wohltaten und der Bequemlichkeit.
Und dass das „Gutmensch Dasein“ inzwischen zu Wahlverhalten führt, das glücklich verblendet ist vom Weg in eine sozialistische Meinungs- und Verhaltensdiktatur und das Nirwana gleichzeitig.
In der Sprache der Markenartikler heißt diese Situation Markenerosion.³

Aus dieser zunehmend geschwächten Position der ausschließlich sozialromantisierenden Beschäftigung mit sich selbst, werden die Konsequenzen, der neu aufgeflammten „Krieg der Kulturen“ und der Integrationsdruck immer schwieriger zu begreifen und Antworten zu finden.
Wie reagiert die Gesellschaft darauf?
Oft, wie auch in den USA mit Multikulturalismus und übergroßer, politischer Korrektheit. In der muslimischen Welt zum Beispiel gibt es solche Hemmnisse nicht. Man ist sich seiner Identität sicher.

Die Identität Deutschlands ist zunehmend unschärfer geworden, so dass man sich dessen nicht mehr sicher sein kann. Das gilt im Übrigen genauso für die europäische Identität.
Deutschland ist Teil Europas und sollte es auch bleiben. Aber mit einem auf das Wesentliche und Zukünftige konzentrierten „Markenkern“.

Liebe Politiker aller „Couleur“ – denkt ‘mal bitte für die nächsten Jahre nicht an Euch und Eure Partei, sondern an das Land, das Ihr regieren wollt.
Und seid mal ehrlich in der Interpretation der Umfrageergebnisse.
Keiner hat mehr Lust, Euch zuzuhören, außer den Journalisten, die ihre Sendezeiten voll kriegen müssen.
Keiner hat Lust, irgendeinen von Euch zu wählen. Die Wahlbeteiligung sinkt von Wahl zu Wahl.
Keiner will mehr, dass Ihr die Banken benutzt, um Eure Parteitagsziele zu finanzieren.
Und jeder spürt, dass „etwas faul ist im Staate Dänemark“.

Peter Maeschig

¹ Frei nach W. Shakespeares Hamlet“Something is rotten in the state of Denmark“ 

² Nicht umsonst heißt die neue CD der  Toten Hosen „Ballast der Republik“, wenn die Band es vielleicht auch andes gemeint hat.

³ Untersuchung Rheingold und Design for Business

„Design Thinking“

Hasso Plattner, SAP-Gründer und Mäzen, hat es mit diesen beiden Worten auf den Punkt gebracht. Er bezeichnet so eine Methode creativer Zusammenarbeit unruhiger Geister.
Er benutzt diese Form innovativer Problemlösungsprozesse in einem für die Menschen wirklich wichtigen Bereich – nämlich im Umgang mit zukünftiger Informationsstrukturierung der Datenflut medizinischer Forschungsergebnisse.

Immer mehr Unternehmen erweitern ihren internen und externen Beratungsbedarf um „inspirative Designer“. Chromblitzende, analytische Intelligenz wird erweitert mit vorstellbaren, also die Sinne ansprechenden, Lösungswegen. Inspirational Analysis nennen wir das.
Was bedeutet das?
Fragestellungen an die Zukunft von Marken und Unternehmen wollen nicht nur in der Abstraktion von Zielen, Potenzialen und Kosten-/Nutzen-Relationen erörtert werden, sondern auch mit der Vorstellungskraft, was die Menschen wirklich in jedwedem Zusammenhang bewegt. Nur richtige Lösungen reichen nicht mehr aus. Richtige, motivierende, überzeugende, den Menschen in ihren Sehnsüchten und Träumen erreichende Lösungen, bilden die Wertschöpfung der Zukunft. Denn alles, was Unternehmen, Institutionen, Produkte und Dienstleistungen tun, – am Ende tun sie es für Menschen. Und zwar für deren unterschiedlichen Wertegefüge.
Kollektive Wertegefüge, im Sinne eines Zielgruppen Konsenses, gibt es immer weniger.
Individuelle Wahrnehmungsräume bestimmen unser Leben.
Die heranwachsende Generation, an ständige Krisenstimmung seit 20 Jahren gewöhnt, hat sich eben eingerichtet in ihrer „coolen“ Gleichgültigkeit. Und die will aufgelöst werden durch geweckte Neugierde.

Das adressierte Peter Sloterdijk mit seinem, auf den Kern reduzierten Satz „die Wertschöpfung der Zukunft gehört dem Design“. Und diese individuellen Sehnsüchte und Träume verändern sich schneller in einer Zeit der Echtzeit Entscheidungen und Informationswahrnehmung, als jemals zuvor.

Designstimulierung bedeutet, in Entscheidungsprozessen Empathie einzubringen.
Fragen nach dem „Warum“. Mit der Forderung nach ehrlichen Antworten. –
Warum soll man ein Produkt kaufen oder einem Unternehmen glauben oder einer Marke mehr glauben, als einer anderen. Die Transparenz und die gläserne Informationsgesellschaft durch die neuen Medien zwingt zu mehr, als Fragen nach dem wie oft, wann und wieviel?
Fakes, Übertreibungen, Lügen werden sofort entlarvt und bestraft.
Design thinking – eine neue Kuh durchs Dorf der Beratungsgemeinschaft?

Was bringt es, das „Design thinking“?
Keiner hat heute mehr die Zeit, die Geduld und das Geld, zunächst langwierige, theoretische Analysen anzufertigen, um dann auf dieser Basis Lösungen durch die so genannten „Kreativen“ entwickeln zu lassen. Oft beginnt man dann im Gestaltungsprozess wieder von Neuem. Denn man hat im kalten Prozess der Strategiefindung die Menschen vergessen, die begreifen sollen, was man von ihnen will. Also lässt man doch besser „Denker und Dichter“ sofort zusammen arbeiten. Die Logik wird ergänzt um Ideen. So werden Lösungen sofort vorstellbar, bereits im Entstehungsprozess der Strategie. Gestalten bekommt so seinen Ursprungswert zurück. Nicht die dekorative Ummantelung eines gedachten Konzeptes, sondern die schöpferische Kraft durch die menschenorientierte Bedeutung, von Beginn an.
Dazu braucht es verantwortungsvolle Designer, die in der Lage sind, ihre Gestaltungssicherheit in einem sinnvollen Rahmen einzubringen.
Dabei gilt das berühmte Wort von Raymond Loewy. Lösungen sollten tunlichst – „Most advanced. But yet accepted.“ – sein. Irrelevante Brillanz nützt genau so wenig wie unmotivierte Experimente.
Design for Business wird so zu Design thinking.

Peter Maeschig

„Man kann sich aber auch auf nichts mehr verlassen.“

Das sagte schon meine Großmutter in den 60er Jahren, als der bürgerliche Mief aus deutschen Wohnzimmern vertrieben wurde und der Marsch der 68er Generation durch die Instanzen begann. Diese Bewegung konnte nur durch „New Media“, „Social Media“ und allgegenwärtige Transparenz aufgehalten, korrigiert oder beeinflusst werden.

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Was haben die aufstrebenden Modemarken „Luis Trenker“, Henry Cotton’s St. Moritz Diary und das Temple Court Building gemeinsam? Lesen Sie mehr

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Wir haben es nicht anders gewollt.

Gestalter haben eben nichts Besseres verdient, als gequält zu werden, oder sich selbst zu quälen.

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